Zu Gast bei der Münchener Biennale

„Der ferne Klang“ war das Motto der 13. Münchener Biennale, die am 3. Mai mit der Uraufführung des Werkes „L’Absence“ von Sarah Nemtsov in der Münchener Muffathalle startete. An der Uraufführung beteiligt waren knapp 30 Musiker des Bundesjugendorchesters, die unter der erstmaligen Leitung von Dirigent Rüdiger Bohn den musikalischen Part übernahmen. Sie wurden zu den heimlichen „Stars des Abends“ (Merkur), denn:

Zitat

„Das exzellente Bundesjugendorchester war unter Rüdiger Bohns Leitung von einem Spezialensemble für Neue Musik nicht zu unterscheiden“    [Abendzeitung München]

Für viele der jungen Musiker des Bundesjugendorchesters war es die erste musikalische Auseinandersetzung mit der deutsch-jüdischen Geschichte, für einige die erste Möglichkeit, mit einer zeitgenössischen Komponistin zusammenzuarbeiten. Die unbekannten Zeichen, Techniken und Rhythmen waren nicht nur für die Geigerin Julia (18 Jahre) „anfangs schwer zu verstehen“, aber „mit der Zeit wurde es immer spannender“. Basis für die Orchesterarbeit im Tutti und die insgesamt drei Aufführungen waren drei vorausgegangene Probentage im Register, die zum ersten Mal auch von Musikern des Ensemble musikFabrik, dem Kölner Ensemble für zeitgenössische Musik, geleitet wurden.

Fotos: Regine Körner

Sarah Nemtsovs Oper beruht auf Edmond Jabès’ „Buch der Fragen“. Jabès, 1912 in Kairo geboren, musste nach der Suezkrise Ägypten verlassen und emigrierte nach Paris. 1963 schrieb er sein „Livre des questions“. Sarah Nemtsov traf daraus eine Auswahl und vertonte sie zu einem mehr als 100minütigen Werk. Die Protagonistin der Oper, Sarah, wurde wie ihre Eltern in ein Vernichtungslager deportiert, doch anders als ihre Eltern überlebt sie, jedoch mit einer zerstörten Seele. Yukel, der ebenfalls überlebte, sucht Sarah – als den Menschen, den er einmal kannte und liebte. Doch diesen Menschen findet er nicht mehr.

Bilder: zu Edmond Jabès’ „Buch der Fragen“ von Elisabeth Naomi Reuter

Programm

L’Absence

Oper in 5 Akten (mit Prolog, Zwischenspielen und Epilog)

für 12 SängerInnen, Sprecher, Tänzerin und Orchester

Libretto: nach Le Livre des Questions (Das Buch der Fragen) von Edmond Jabès. Textauswahl und – zusammenstellung von Sarah Nemtsov

Beteiligte

Komposition
Sarah Nemtsov (*1980)

Musikalische Leitung

Rüdiger Bohn

Regie
Jasmin Solfaghari

Bühne
Etienne Pluss

Kostüme
Florence von Gerkan

Mitwirkende
Tehila Nini Goldstein (Sarah, Sopran), Assaf Levitin (Yukel, Bariton), Bernhard Landauer (Erzähler, Altus), Tobias Hunger (Rabbiner, Tenor), Matthias S. Otto (Rabbiner, Tenor), Tobias Neumann (Rabbiner, Bariton), Christian Eberl (Rabbiner, Bass-Bariton), Minari Urano (Rabbiner, Bass), Anat Edri („Rose“, Sopran), Nitzan Yogev („Rose“, Alt), Peter Pruchniewitz (Leser, Sprecher), Evgenia Itkina (Sarah II, Tänzerin)

Bundesjugendorchester
– Nationales Jugendorchester der Bundesrepublik Deutschland


Solisten

Luigi Gaggero, Zimbalum | Kai Wangler, Akkordeon

Streichtrio
Julia Ungureanu, Violine | Muriel Razavi, Viola | Felix Eugen Thiemann, Violoncello

Einstudierung
Dozenten des Ensemble musikFabrik der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim und der Musikhochschule Lübeck

Musikalische Assistenz

Cecilia Castagneto

Korrepetition
So-Jin Kim, Julio Miron

Regieassistenz
Sylvie Döring

Kostümassistenz
Tristan Sczesny

Kompositionsauftrag der Landeshauptstadt München zur Münchener Biennale gefördert von der GEMA-Stiftung, Produktion der Münchener Biennale

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