Pressestimmen – Sting with Orchestra

Süddeutsche Zeitung

Sting im VW-Kraftwerk

Mehr als eine Kostprobe – schon vor dem Start seiner neuen Tournee hat Rockstar Sting gezeigt, dass seine Musik und Klassik sich nicht widersprechen.

Mit dem Bundesjugendorchester hat der Brite am Mittwoch in Wolfsburg ein Konzert gegeben. Die VW-Autostadt hatte die ungewöhnliche Kombination für die achten Movimentos-Festwochen auf die Bühne gebracht.

Erst vergangene Woche hat der 58-Jährige in London sein neues Album vorgestellt, auf dem seine größten Erfolge von Streichern und Bläsern begleitet werden. Nach Konzerten in Nordamerika will er im Herbst mit dem Londoner Royal Philharmonic Concert Orchestra auf Europatournee gehen – mit einem ähnlichen Programm wie dem in Wolfsburg.

"Ich bin sehr glücklich hier zu sein", lässt Sting mit englischem Akzent verlauten. Und sofort legt er los. 90 Minuten lang stellt er ohne Pause unter Beweis: dieser Stachel sticht noch immer. 'Roxanne' oder 'Englishman In New York' - von Anfang an geht das Publikum mit, klatscht im Takt und singt die Refrains. Von Song zu Song steigern sich der Star und die 49 Nachwuchsmusiker im Alter von 14 bis 19 Jahren.

Der Komponist, Sänger, Schauspieler, Schriftsteller und Aktivist, bürgerlich Gordon Matthew Thomas Sumner, wurde in den 1970er Jahren als Sänger und Bassist des Trios The Police bekannt. Mitte der 80er Jahre begann er seine Solokarriere. Markenzeichen ist seine unverkennbare Stimme.

Auf der neuen CD 'Symphonicity' – das letzte Album von Police im Jahr 1983 hieß 'Synchronicity' - hat Sting die größten Hits von Police und aus seiner Solozeit für Streicher, Bläser, Harfe und Pauke arrangieren lassen. In Wolfsburg sind unter anderem zu hören: 'Message In A Bottle', 'King of Pain', 'Every Breath You Take' oder 'Desert Rose'.

Die Jugendlichen hatten vor etwa drei Wochen die Noten für das Konzert bekommen und probten zunächst ihren Part jeder für sich. Am Montag trafen sie dann in Wolfsburg ein und spielten erstmals gemeinsam unter der Leitung von Steven Mercurio. Am Dienstag kam dann Sting dazu.

"Das war ein bisschen unrealistisch. Aber, oh geil, ich habe mit Sting gespielt", sprudelt es nach dem Konzert aus der 17 Jahre alte Geigerin Julia aus der Nähe von Mannheim. Der 19-jährige Jared ist nicht weniger begeistert: "Im ersten Moment war ich nervös, aber dann spielt man nur noch", sagt der junge Hornist aus Karlsruhe.

Kurz vor Weihnachten hatte die Autostadt beim Bundesjugendorchester angefragt. "Als ich hörte, dass Sting mit einer reduzierten Band anreist, war klar, dass das Orchester nicht nur schmückendes Beiwerk wird und wir haben zugesagt", berichtet Sönke Lentz, Projektleiter des Bundesjugendorchesters. "Wir waren seine Band", ergänzt der 19-jährige Jared mit Stolz.

Sting sei schon bei den Proben total nett gewesen, habe die jungen Musiker mit viel Respekt behandelt. Auch für den Dirigenten Mercurio sind die Orchestermitglieder voll des Lobes: "Er hat uns immer wieder motiviert, wir haben gar nicht gemerkt, wie lang die Proben waren", erzählt Julia.

Beim Konzert im alten Kraftwerk von Volkswagen, das jährlich für Movimentos zur Spielstätte für Balletts und jeweils für einen Popinterpreten wird, macht Mercurio das Dirigentenpodest zum wahren Treffpunkt von "Classic meets Pops" – seine temperamentvollen Bewegungen passen in einen Symphoniesaal ebenso wie in eine Disco. Auf die Tournee im Herbst können sich Crossover-Fans von Klassik und Rockpop freuen.

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Deutscher Musikrat

„The answer is Yes“ – Rocklegende Sting wird Mitglied im Kuratorium des Bundesjugendorchesters

Zwei Konzerte genügten, eine weltweit bekannte Rocklegende vom deutschen Klassik-Nachwuchs zu überzeugen: „You are all great artists“, schrieb Gordon Matthew Sumner, alias Sting, ins Gästebuch des Orchesters nach zwei ausverkauften und umjubelten Konzerten im Rahmen der Movimentos Festwochen in Wolfsburg. Die Aktivitäten zur Errichtung einer Stiftung für das Bundesjugendorchester wird Sting ab sofort im Kuratorium unterstützen: „The answer is Yes“, war die spontane Reaktion des Musikers auf die entsprechende Anfrage.

Nach Sabine Meyer, Reinhold Friedrich, Tabea Zimmermann, Gerd Albrecht und Christian Tetzlaff steht nun ein weiterer Ausnahmemusiker mit seinem Namen Pate für die Zukunft des Orchesters, aus dem seit über 40 Jahren erstklassige Talente für die deutsche und internationale Orchesterlandschaft hervorgehen. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt fünf Millionen Euro als Stiftungskapital zu sammeln. Sir Simon Rattle hat seine Unterstützung für das Gründungskonzert bereits zugesagt. Mit Sting gewinnen wir einen Prominenten, dessen Name auch außerhalb der Klassikwelt die Menschen begeistern wird“, sagt Orchestermanager Sönke Lentz.

In zwei Konzerten begleitete das Bundesjugendorchester Sting vor ungewöhnlicher Kulisse: Im stillgelegten und denkmalgeschützten Kraftwerk der Autostadt, im Schatten gigantischer Metallrohre musizierte Sting rund zwei Stunden lang vor rund 2.000 Zuhörern. Seine größten Hits – „Every breath you take“, „Roxane“ oder „English Man in New York“ – präsentierten sich dabei in einem ungewöhnlichen Gewand, in raffinierten, teils üppigen Arrangements, die das Orchester zu einem unverzichtbaren, gleichwertigen Begleiter wachsen ließen. Das hohe Niveau des Orchesters unter der Leitung des Dirigenten Steven Mercurio und die deutlich sichtbare Freude am gemeinsamen Musizieren mit Sting begeisterten das Publikum.

Schon während der Konzerte zeigte sich auch der Sänger vom Orchester begeistert: „See this wonderful orchestra, the Bundesjugendorchester.“ In Synthese mit seiner unplugged aufspielenden Band und mit Backgroundsängerin Jo Lawry ergaben sich wunderbare musikalische Eindrücke, die in dem intimen Rahmen der Bühne selbst für eingefleischte Sting-Fans ein ganz neues Klangerlebnis darstellten.

Für das Bundesjugendorchester war dies die erste Zusammenarbeit mit einem Rockmusiker. Die jungen Instrumentalisten zeigten sich von diesem musikalischen Ausflug begeistert: „Es ist eine wahnsinnige Erfahrung, mit Sting zu spielen. Solche Begegnungen, die einen persönlich und musikalisch weiter bringen, sind, so glaube ich, nur im Bundesjugendorchester möglich. Toll an Sting finde ich, dass er nicht so viel Wert auf Show legt, sondern alles selbst macht – er ist ein erfahrener Vollblutmusiker, von dem jeder viel lernen kann“, sagt der Trompeter Peter Dörpinghaus, der seit drei Jahren in dem maßgeblich vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanzierten Orchester spielt.

© Deutscher Musikrat

Braunschweiger Zeitungsverlag

Sting mit Orchester – unaufdringlich zart

Als Kind haben viele Popstars davon geträumt, eines Tages auf der Bühne mit einer krachenden Band die wilde Frau oder den wilden Mann zu markieren. Haben sie es geschafft, sehnen sich vielleicht gerade die aufmüpfigsten unter ihnen danach, eines Tages mit einem klassischen Orchester aufzutreten. Ihre Karriere dadurch zu krönen, dass der Inbegriff der Hochkultur ihre Songs elegant umspielt und adelt.

Der britische Popstar Sting, Anfang der 80er-Jahre mit der Supergruppe The Police als Beinahe-Punkrocker bekannt geworden, hat sich diesen Traum gestern Abend in der Wolfsburger Autostadt einmal mehr erfüllt. Gemeinsam mit dem Bundesjugendorchester (BJO) gab der 58-Jährige vor rund 1000 Zuschauern das erste von zwei ausverkauften Konzerten im alten VW-Kraftwerk.

Nun macht Orchesterbegleitung Popmusik nicht automatisch künstlerisch wertvoller. Schließlich wird jede zweite Schlagerschnulze mit Streicherschmelz aufgedonnert. Und in den ersten Songs, die der in einen dezenten graubraunen Anzug gekleidete, wieder vollbartlose Sting anstimmt, kommt das BJO tatsächlich über eine freundlich untermalende Funktion nicht hinaus.

Das liegt auch daran, dass Sting eine halbakustisch spielende Band mitgebracht hat, mit dem Gitarristen Dominic Miller, zwei Percussionisten und Ira Coleman am Kontrabass. Bei aller Zurückhaltung dominiert die Band die Songs, die Bässe und Celli des BJO verblassen meist gegenüber Colemans Intrument. Gut wahrnehmbar sind aus dem BJO-Orchester die Geigen und mit Abstrichen die Bläser.

Allerdings: Die Arrangements zu Stücken wie 'Englishman in New York', 'Roxanne' und 'Shape of My Heart' sind komplex und variantenreich. Und vor allem spielt sie das BJO unter der tänzelnden Leitung von Dirigent Steven Mercurio ebenso wunderbar luftig wie Stings Band. Das ist schon kunstvoll, wie unaufdringlich zart geknüpft das Klanggewebe ist, das hier mehr als 60 Musiker gemeinsam erzeugen. Weitgehend auch rhythmisch exakt, bis auf das vertrackte 'Message in a Bottle', bei dem das Orchester ins Schwimmen gerät.

Und die Songs und Arrangements werden im Lauf des Abends mutiger und spannender, kleiden tatsächlich manchen Sting-Hit in ein neues Gewand. 'Moon Over Bourbon Street' ist so ein Highlight, das etwas nach Schostakowitsch und nach Kurt Weill klingt, und dann doch wieder nach dem gut aufgelegten, stimmlich allerdings vor allem in den Höhen etwas eng klingenden Sting.

Und es gibt diese herrlich melodischen Stücke wie 'Wrapped Around Your Finger', im Duett mit der auch allein hörenswerten Background-Sängerin Jo Lawry, die so schön sind, das ihnen auch zu dicker Streichersahne nichts anhaben kann.

Begeisterter Applaus.

© Braunschweiger Zeitungsverlag by Florian Arnold

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