Das Campus-Projekt, eine etablierte Kooperation zwischen dem Beethovenfest Bonn und der Deutschen Welle in Zusammenarbeit mit dem Bundesjugendorchester, widmet sich seit Jahren dem Ziel, durch Musik internationale Verständigung zu fördern. Nachdem in der Vergangenheit Länder wie China, Indien und die Ukraine im Zentrum standen, lag der Fokus im Jahr 2025 auf Nigeria. Das Projekt umfasste Arbeitsphasen auf zwei Kontinenten und mündete in einem Konzertprogramm, das stilistische Grenzen auflöste. Die Kompositionen verbanden die Traditionen der westlichen Klassik mit den Rhythmen des Afrobeat. Dieser Ansatz unterstrich die politische Botschaft des Projekts: Musik als Protest gegen Ungerehtigkeit und Unfreiheit, als Medium für globale Vernetzung und kulturelles Erbe über geografische Distanzen hinweg.

Im Rahmen des Projekts kam es zu einer musikalischen Explosion: Eine Gruppe von sechs ausgewählten BJO-Musiker:innen traf auf den deutsch-nigerianischen Visionär, Produzenten und Aktivisten Adé Bantu und seine Band BANTU.
Nach einer intensiven Begegnungsreise nach Nigeria im März 2025 brachten die Ensembles gemeinsam die Energie der Straßen von Lagos auf die Bühne. Unter der Leitung von Adé Bantu entstanden am 03.03.2025 im J. Randle Centre Lagos, am 11.09.2025 in der Aula der Universität Bonn und am 12.09.2025 im Humboldt-Forum Berlin Konzerte voller politischer Relevanz, bei denen das Publikum sogar zum Tanzen mitgerissen wurde.


Die ereignisreiche Reise der BJO-Mitglieder nach Nigeria fand im März 2025 statt. Der Aufenthalt begann am Dienstag, den 18. März, mit der Ankunft in Lagos. Die Woche war gefüllt mit Proben, Interviews, und kulturellen Erlebnissen. Highlights waren der Besuch des Nationalmuseums und der Muson School of Music am Freitag, der Besuch des J. Randle Centre Lagos und ein Marktbesuch am Samstag, sowie die aufwühlende Teilnahme an einem sehr lebendigen Gottesdienst und der Besuch des New African Shrine mit dem Fela Kuti Museum am Sonntag. Am Montag, den 24. März, endete die Reise für die deutsche Gruppe, die am späten Nachmittag zum Flughafen gebracht wurde, um den Rückflug nach Frankfurt anzutreten.


„Es war eine unvergessliche Reise in ein für mich viel zu unbekanntes Land. Was mir geblieben ist, sind die offenherzigen Begegnungen, die bunten Farben, der alltägliche Trubel auf den Straßen von Lagos, der leckere Jollof-Reis und natürlich das Kennenlernen einer sehr lebendigen und aufregenden Musikszene. Bestürzend waren die Erkenntnisse über die Ausbeutung, Unterdrückung und Gewalt in Nigeria durch Europäer und das damit einhergehende bis heute andauernde koloniale Erbe. Beeindruckend und ermutigend war es, die Lebensfreude der Musiker zu spüren und die politischen Songs der BANTU Band mit ihnen zusammen zu spielen - mit der Message gegen Korruption und Ungerechtigkeit und für Gleichberechtigung und Freiheit."
Luis McCall, Klarinette
„Wir durften so intim in eine Welt eintauchen, die die wenigsten Menschen so besuchen dürfen. Am beeindruckensten fand ich, dass wir Menschen und Persönlichkeiten kennenlernen durften, die wir normalerweise nie hätten kennenlernen können, die wir jetzt unsere Freunde nennen können (Wer hat schon Freunde, die in Lagos, Nigeria wohnen...). Dass wir an Orte kommen konnten, die man nie besuchen hätte können — stark in Erinnerung bleibt mir der Besuch des Gottesdienst der Gemeinde von Isaiah (was für ein Privileg, dem beiwohnen zu können). Dass uns ein neues Universum der Musik, auf den Spuren Fela Kutis, gezeigt worden ist und wir unfassbar viel lernen und entdecken durften. Und dann wurde ich mir noch sehr bewusst, in welchem Luxus wir in Deutschland eigentlich leben, wenn man einen Ort besucht hat, wo immer verfügbarer fließender Strom ein Luxusgut ist, Trinkwasser prinzipiell nur aus Flaschen und nicht aus dem Wasserhahn kommt und eine Toilettenspülung am Probenort keine Selbstverständlichkeit ist. Wenn ich so darüber nachdenke, wirkt es wie ein surrealer, aber toller Traum dort gewesen zu sein.“
Leopod Kern, Oboe
„Es war ein besonderer Moment, als wir in der Muson School of Music in Lagos zufällig in einen Orgelunterricht hereingplatzt sind und wir dann auf Initiative des Orgellehrers die deutsche und die nigerianische Nationalhymne gesungen haben. Sehr spontan und mit voller Kehle über die dröhnende Orgel, aber mit umso größerem Respekt voreinander.“
Luis McCall, Klarinette


Die Reise war weit mehr als ein Austausch von Notenblättern. Auf den Spuren der Legende Fela Kuti lernten die Musiker:innen des Bundesjugendorchesters, dass Musik nicht nur im Kopf, sondern auch im Körper entstehen und dass sie ein politisches Gewissen repräsentieren kann. Der Campus 2025 hat gezeigt: Wenn wir einander wirklich zuhören – ob in einer Kirche in Lagos oder im Humboldt-Forum – entsteht etwas völlig Neues. Danke an alle Beteiligten für diesen unvergesslichen Austausch!
Hier geht es zum Mitschnitt des Bonner Konzerts auf Youtube...

Ein herzlicher Dank geht an alle, die diesen Campus möglich gemacht haben:
Adé Bantu (Konzept und Gesang)
Cassie Kinoshi (Saxofon und Komposition)
Isaiah Oladele (Musikalische Leitung und Posaune)
Mitglieder des Bundesjugendorchesters
Musiker:innen aus dem Umfeld des Centre of Music Lagos
Mitglieder der Band BANTU
Ludwig van Beethoven: Ouvertüre zu »Egmont« in Ausschnitten, arr. von Josef Bach
BANTU: »Ten Times Backwards«, »Cash and Carry« & »We No Go Gree« arr. von Isaiah Oladele
Yoruba Traditional: »Omo to moya re loju«, arr. von Josef Bach
Deutsches Traditiona: »Die Gedanken sind frei«, arr. von Isaiah Oladele
Olufęlá Şowándé: »Nostalgia« & »Akinla« aus »African Suite«
Fela Kuti: »Colonial Mentality«
Mauricio Kagel: IV. Vivace, V. Moderato & X. Allegro aus »10 Marches to Miss the Victory«
Cassie Kinoshi: »odò (river)« (Uraufführung)
BANTU: »Yeye Theory« & »Disrupt The Programme«, arr. von Isaiah Oladele
3. März 2025: Lagos (NGA): JK Randle Centre
11. September 2025: Bonn – Aula der Universität Bonn (Beethovenfest Bonn)
12. September 2025: Berlin – Humboldt Forum Berlin (Beethovenfest Bonn)