Insgesamt fünf Wochen waren die jungen Musiker:innen des Bundesjugendorchesters in diesem Sommer zusammen. Probten gemeinsam in Weikersheim, waren als Opernorchester der Jungen Oper Schloss Weikersheim zu erleben und gingen anschließend für neun Sinfoniekonzerte auf Tournee. Gemeinsam mit der Mezzosopranistin Rachel Frenkel und unter Leitung des Dirigenten Dirk Kaftan widmeten sich die Jugendlichen einer sinfonischen Reise, die Brücken schlug zwischen Religionen, Tradition und Zukunft, Widerstand und Zuversicht.

Wenn hundert junge Musiker:innen im Alter zwischen 14 und 19 Jahren auf die Bühne treten, dann ist es mehr als ein Konzert. Es ist ein Statement. Das Bundesjugendorchester war im Sommer 2025 mit seinem Programm „Harmonie des Glaubens“ unterwegs.
Die Süddeutsche Zeitung fasste es nach dem Auftakt so zusammen: „Unbeugsamkeit und Hoffnung – selten hat man ein Programm so klar als Spiegel der Gegenwart verstanden. Dieses Orchester klingt nicht nur, es bezieht Haltung.“


Warum dieses Programm? Dirigent Dirk Kaftan bringt es auf den Punkt: „Wir wollten Werke auswählen, die zeigen, dass Musik Grenzen überwindet, aber auch Standpunkte markiert. Mit dem BJO zu arbeiten ist für mich wie Segeln: Diese jungen Musiker:innen sind der Wind in den Segeln der Musik – voller Energie, voller Richtungsdrang. Man muss nur die Segel setzen und dann mit ihnen fliegen.“
Das Publikum spürte diesen Rückenwind. In Weikersheim, Brixen (Italien), Oberstdorf (Oberstdorfer Musiksommer), Wittlich (Mosel Musikfestival), Papenburg (Gezeitenkonzerte), Einbeck (Fredener Musiktage), Berlin (Young Euro Classic), Kassel (Kultursommer Nordhessen) oder Eltville am Rhein (Rheingau Musik Festival) sprang der Funke über – mit Standing Ovations, Diskussionen im Foyer, Begeisterung in den Feuilletons.
Die Frankfurter Rundschau lobte das Orchester: „Wenn das Bundesjugendorchester und damit Deutschlands jüngstes Spitzenorchester auftritt, klingt die Musik spritziger und extremer, alles wirkt wacher und vitaler.“


Ein junger Geiger erzählt: „Man spürt, dass es hier um mehr geht als Töne. Wir spielen, weil wir gemeinsam etwas ausdrücken wollen – eine Haltung. Für mich war es das intensivste Erlebnis meines bisherigen Musikerlebens.“
Und eine Cellistin ergänzt in einem Interview mit dem Deutschlandfunk: „Wir haben gelernt, dass Musik nicht nur schön klingt, sondern auch eine Sprache ist, die Widerstand, Trauer und Hoffnung gleichzeitig tragen kann.“




Für Orchesterdirektor Sönke Lentz war diese Tournee mehr als nur eine Abfolge von Konzerten: „Das Bundesjugendorchester vereint junge Menschen aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und unterschiedlichen Nationalitäten. Mit ‚Harmonie des Glaubens‘ wollten wir die Vielfalt der religiösen und spirituellen Überzeugungen darstellen, denen es gelingt friedlich nebeneinander zu existieren. Die mit Juri de Marco erarbeitete Zugabe versuchte sogar als einer Art Zusammenfassung die Ansätze verschmelzen zu lassen. Dabei haben die Jugendlichen sogar öffentlich verbalisiert, was für sie Glaube bedeutet. Es war überwältigend zu sehen, wie die Jugendlichen diese Aufgabe nicht nur annahmen, sondern mit Leidenschaft erfüllen.“
Die Presse reagierte entsprechend. Die Allgäuer Zeitung schreibt: „Wie ein Sinfoniekonzert in Oberstdorf zum Appell wird. Das Bundesjugendorchester setzt in Oberstdorf mit einem anspruchsvollen Programm ein Zeichen für die friedliche Koexistenz der Religionen."

„Harmonie des Glaubens“ war eine Tournee, die den Auftrag des Bundesjugendorchesters neu beleuchtete: Musik als Ort des Dialogs, der Kraft und der Zukunft. Oder, wie die Süddeutsche Zeitung schrieb: „Es ist ein Klang, der Mut macht, ohne zu beschönigen.“
(Text von Dr. Anke Steinbeck)


Bundesjugendorchester
Rachel Frenkel (Mezzosopran)
Dirk Kaftan (Dirigent)
Fazil Say (*1970)
Ana Tanrıça (Mother Goddess), Ouvertüre für Orchester
Leonard Bernstein (1918–1990)
Sinfonie Nr. 1 „Jeremiah“
Gustav Mahler (1860–1911)
Sinfonie Nr. 4
Eine Zugabe wurde vom Orchester, unter Anleitung von Juri de Marco, selbst erarbeitet.
Sie ist DIE Operette! Als Paradebeispiel für die angeblich so leichte Muse versprüht sie Walzer-, Polka- und Csárdás-Leichtfüßigkeit. Doch ganz schön hintergründig, musikalisch meisterlich gearbeitet und auf Personen und Situationen geradezu ironisch zugeschnitten. Kaum eine andere „Oper“ ist häufiger gespielt und wird vom Publikum so heiß geliebt. Unwiderstehlich die genial komponierten Ohr- und Walzerdrehwürmer und eine Geschichte, wie sie so unvergleichlich nur der feinderbe Humor des Wiener Schmäh zu erzählen vermag.
Das Bundesjugendorchester übernahm 2025 den Part des Opernorchesters der Jungen Oper Schloss Weikersheim unter der Leitung von Dirigent Dirk Kaftan. Den Aufführungen im Schlosshof ging die Internationalen Opernakademie der Jeunesses Musicales Deutschland voraus, eines der renommiertesten Förderprojekte des Opernnachwuchses auf europäischer Ebene mit internationalen jungen Sänger:innen am Beginn ihrer Karriere.
Johann Strauß (1825–1899)
„Die Fledermaus“
Beteiligte:
Sänger:innen der Internationalen Opernakademie Schloss Weikersheim
Bundesjugendorchester
Dirk Kaftan (Dirigent)
Dominik Wilgenbus (Inszenierung)
Das BJO in den ARD-Tagesthemen
Zur Premiere begleitete ein Kamerateam der ARD-Tagesthemen die Proben und Aufführungen und berichteten in ihrer Rubrik #mittendrin eindrucksvoll über die Opernproduktion. Der Beitrag ist online abrufbar unter:
ardmediathek.de/tagesthemen-mittendrin-weikersheim oder www.youtube.com/watch?v=lEIu46FtcUo

